Identitätsdiebstahl: Wer hat mein Ich geklaut?

Es braucht nicht viel, um im Internet die Identität eines anderen anzunehmen. Mit dem Namen und dem Geburtsdatum lässt sich bereits viel Unheil anrichten. Der Missbrauch fremder Identitäten kann enormen Schaden anrichten. Nicht nur finanziell: Karrieren und sogar Leben können zerstört werden, wenn Dritte die Identität eines Menschen missbrauchen. Wie erfahre ich, dass jemand meinen Namen im Internet missbraucht?

Viele Betroffene erfahren es auf höchst unangenehme Weise: Weil sie aus heiterem Himmel eine Rechnung, einen Brief von einem Anwalt oder sogar einem Inkasso-Unternehmen bekommen und darin Geld für etwas gefordert wird, das sie nie bestellt oder registriert haben.

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Wie lässt sich eigentlich eine Identität stehlen – geht das überhaupt?

Sehr einfach sogar.

Mehr als Namen und Geburtsdatum braucht es häufig nicht, um Bestellungen in Ihrem Namen aufzugeben. Online-Handel und Versandhäuser liefern dann die Ware zum Beispiel an eine Paketstation. Die Rechnungen gehen an eine falsche Adresse – und deshalb an die Händler zurück. Über eine Adressermittlung wird dann die tatsächliche Frau Maria Mustermann, geboren am 27. Mai 1972 ausfindig gemacht. Frau Mustermann ahnt derweil nichts – bis sich Inkassounternehmen bei ihr die Türklinke in die Hand geben und ihr „wegen nicht gegebener Bonität“ die Kreditkarte gesperrt wird. Oder sogar ein Haftbefehl gegen sie ausgestellt wird. Für Frau Mustermann stehen Monate der Rechtfertigungen und Richtigstellungen gegenüber ihrer Bank, der Schufa, gegenüber Gerichten und Inkassounternehmen an.

Namen und die zugehörige Telefonnummer oder gar das Geburtsdatum finden sich im Internet zuhauf. Die Möglichkeiten des Identitätsdiebstahls haben mit dem Internet deutlich zugenommen. Das BSI (Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik) warnt immer wieder vor aktuellen Identitätsdiebstählen mit vielen Millionen betroffenen E-Mail-Konten. Fremde können nicht nur Ihr E-Mail-Konto, sondern zum Beispiel auch Ihre Facebook-Seite kapern oder in Ihrem Namen über Twitter Nachrichten verbreiten. Auch Ihre Kreditkarte oder Ihr Online-Zugang zur Bank kann in fremde Hände fallen.

Wo kommt Identitätsdiebstahl in der Praxis vor?
  • Waren-Bestellungen In diesem Fall bestellt der Kriminelle unter Namen und Adresse des Opfers bei Online-Shops Waren oder Dienstleistungen.
  • Namens-Missbrauch in Blogs und Foren In diesem Fall schreibt der Täter unter dem Namen des Opfers in Blogs, Wikis oder Foren mit – mit dem Ziel, das Opfer durch die Äußerungen zu diskreditieren.
  • Erstellung falscher Profile in sozialen Netzwerken Hier erstellt der Täter in sozialen Netzwerken Profile unter dem Namen seines Opfers. In der Regel wird er dann auch Beiträge unter diesem gefälschten Account verfassen, Nachrichten verfassen oder sich sogar mit Bekannten und Freunden seines Opfers unter der falschen Identität verlinken.
  • Vortäuschung falscher Tatsachen Hier missbraucht der Täter Namen oder persönliche Daten des Opfers, um über das Internet falsche Tatsachen zu behaupten oder Aktionen in Gang zu setzen – etwa, indem er unter dem falschen Namen Strafanzeigen erstattet, strafrechtlich relevante Dinge behauptet, Weblogs oder Webseiten startet und/oder diese persönlichen Daten in falschen Zusammenhang stellt.
  • Falsche Verdächtigung und Unterstellung von Straftaten Bisweilen täuschen die Kriminellen vor, ihr Opfer begehe Straftaten im Internet – oder sie begehen sogar tatsächlich Straftaten im Namen des Betroffenen.

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Wie kann ich mich schützen?

Auch online gilt: Gegen kriminelle Energie kann man sich nur schwer schützen, wenn man sein Leben nicht in einer ungemütlichen Festung verbringen will. Sie sollten allerdings ein paar Vorsichtsmaßnahmen beherzigen, um es Übeltätern nicht zu einfach zu machen.

  • Melden Sie sich immer von allen Internetseiten ab, wenn Sie einen öffentlichen Internetzugang benutzen.
  • Verwenden Sie komplexe Passwörter und unterschiedliche E-Mail-Adressen, um Ihre digitale Identität zu schützen.
  • Klicken Sie nicht auf Links und Anhänge in E-Mails von unbekannten Absendern. Bevor Sie Nutzerdaten eingeben: Überprüfen Sie bei Links in der Browser-Adresszeile genau, ob dort wirklich die richtige Internetadresse steht, oder ob es sich um eine gefälschte Seite mit leicht veränderter Adresse handelt.
  • Wägen Sie sorgfältig ab, wo Sie Ihren richtigen Namen benutzen und wo ein Pseudonym als Nutzername ausreichend ist.
  • Akzeptieren Sie in sozialen Netzwerken nicht wahllos Freundschaftsanfragen von Unbekannten. Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen ein Bekannter erneut eine Freundschaftsanfrage stellt, weil seine Kontodaten verloren gegangen seien. Überprüfen Sie solche Anfragen gelegentlich auch mal außerhalb der digitalen Sphäre.
  • Schützen Sie Ihre digitalen Identitäten: Verwenden Sie nicht überall dieselbe E-Mailadresse, um sich anzumelden (und selbstverständlich nicht das gleiche Passwort, sondern jeweils ein anderes, möglichst komplexes). Sie können sich dazu mehrere unterschiedliche kostenlose E-Mail-Adressen anlegen. So vermeiden Sie eine Kettenreaktion, wenn Ihr E-Mail-Konto geknackt wurde. Schauen Sie, ob Sie Ihr Nutzerkonto durch eine sogenannte doppelte Authentifizierung mit einem Handy-Code schützen können.

Wir geben Ihnen mit folgendem Dokument noch eine Checkliste mit, was man als Opfer von Identitätsdiebstahl tun sollte: Was tun als Opfer von Identitätsdiebstahl

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