Agrartag 2015: Kooperationen im Blickpunkt

Anfang November 2015 fand in Oedheim einer von vier Agrartagen der Volksbanken Raiffeisenbanken dieses Jahres unter dem Motto „Kooperationen – gemeinsam in die Zukunft“ statt. Gemeinsam mit einigen Kunden nahmen wir an der Veranstaltung teil, die sehr informative Vorträge beinhaltete und damit wichtige Impulse für unsere Kunden gab.

Unsere landwirtschaftlichen Kunden kämpfen mit einer sehr hohen Arbeitsbelastung sowie großen bürokratischen und regulatorischen Vorgaben.

Kooperationen als strategische Lösungen

Die veränderten Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft führen zu Wachstumszwang und zum Strukturwandel: Die Betriebszahl reduziert sich; die durchschnittliche Flächenausstattung des einzelnen Betriebs steigt. Den daraus entstehenden Risiken begegnen die Landwirte mit Diversifizierung sowie Einkommenskombinationen und Kooperationen. Die strukturellen Anpassungen sind in Süddeutschland ausgeprägter als im Norden bzw. Nordosten der Bundesrepublik Deutschland. Hintergrund ist hierfür der relativ große Anteil der Nebenerwerbslandwirte.

Als wichtige wirtschaftliche Kooperationsziele erkennt die wissenschaftliche Forschung: Kapitalbedarf- und Kostendegression, Wachstumsnotwendigkeit, Auslastung vorhandener Produktionsfaktoren, Einsatz effizientere Produktionstechniken, Spezialisierung. Wichtige soziale Kooperationsziele sind die Arbeitsentlastung, die Herstellung der Zukunftsfähigkeit, die Schaffung von Vertretungsmöglichkeiten sowie die Verantwortungs- und Risikoverteilung. Zentrale Problemfelder: Charaktereigenschaften der Partner, Ansätze der Faktorentlohnung, Gewinn- und Verlustverteilung, Auflösung sowie mangelnde Abstimmung von Arbeitsbereichen.

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Erfolgsgeheimnisse & Fallstricke landwirtschaftlicher Kooperationen – ein Erfahrungsbericht

Landwirt Henning Pfeiffer berichtete von seinem ca. 440 ha großen Marktfruchtbetrieb in Clenze/Landkreis Lüchow-Dannenberg. Seine Kooperationen umfassen die Kartoffel- und Gemüseverarbeitung, eine Biogasanlage, eine Bruchteilsmaschinengemeinschaft, eine Rübenrodegemeinschaft, eine Dienstleistungsgesellschaft sowie eine Schweinemast GbR.

Die Kooperationen entstanden in einer Kettenreaktion. Henning Pfeiffer nennt diese Entwicklung eine spezialisierte Diversifizierung. In dieser werden Kreisläufe geschlossen und Synergien genutzt. Ziel ist die Wettbewerbsfähigkeit der Einzelbetriebe zu sichern und auszubauen. Als wesentliche Erfolgsfaktoren nennt Henning Pfeiffer: Vertrauen zu den Partnern, Kompromissbereitschaft, „Dem anderen etwas gönnen können“, Kommunikation, Spaß an der Zusammenarbeit und dass man Krisen gemeinsam durchsteht. Die größten Probleme für Kooperationen sind für ihn: Mangelnde Kommunikation, „Rosinenpicker und Erbsenzähler“, Interessenskonflikte, der Umgang mit der Verlustzuweisung bzw. der Gewinnverwendung.

Insgesamt zieht Henning Pfeiffer ein sehr positives Fazit aus seinen Kooperationen. Es konnten neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Ein starkes Wachstum des eigenen Betriebs wurde erreicht. Gleichzeitig konnten wesentliche Größeneffekte realisiert werden. Nicht zuletzt macht Henning Pfeiffer der Austausch mit den Partnern Spaß und “Geteilte Freude ist doppelte Freude – geteiltes Leid ist halbes Leid“. Ein positives und authentisches Fazit des sympathischen Landwirts aus Norddeutschlands.

Ein Team aus Konkurrenten – und dennoch Weltmeister

Uwe Müssiggang, ehemaliger Bundestrainer der deutschen Biathlon-Nationalmannschaft, berichtete sehr engagiert von seinen Erfahrungen aus seiner Zeit bei der Biathlon-Nationalmannschaft. Wesentliche Themen waren die Maßnahmen zur Teambuilding sowie, dass man ohne entsprechende technische Ausstattung sowie wissenschaftliche Unterstützung sich nicht in der Weltspitze etablieren kann. Auch dies zeigt, dass man nicht allein Spitzenleistungen erreichen kann.

Aus den Vorträgen war erkennbar, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse sich mit den Erfahrungen aus der Praxis decken. In der anschließenden Diskussionsrunde wurde lebhaft diskutiert. Die Themen konnten danach beim gemeinsamen Mittagessen weiter vertieft werden.

Empfehlungen laut Prof. Dr. Reiner Doluschitz zum Thema Kooperationen

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