Zack zack schnell schnell – Gedanken zur Smartphonitis

Das Missgeschick: Mein Handy ist seit ein paar Tagen kaputt. Rechts unten ist das Display ziemlich lädiert. Sieht zwar nicht schön aus – aber es funktioniert – noch – und der Vertrag gibt erst nächstes Jahr ein neues her. Diese Macke erinnert mich nun täglich mehrfach daran, dass etwas schief gelaufen ist.

Eine Studie der Uni Bonn aus dem Jahr 2014 kam zu dem Ergebnis, dass Handynutzer rund 80 mal am Tag ihr Handy nutzen – Tendenz steigend.

Zack Zack – alles wird schneller

Mails, Facebook, die Timeline, WhatsApp, Spiele, Videos, manchmal sogar noch ein Telefongespräch. Rund um die Uhr online, jederzeit erreichbar, sofort eine Antwort geben und sofort eine Antwort erwarten. Handy und Internet beschleunigen die Kommunikation und befriedigen Bedürfnisse. Pausen sind nicht vorgesehen. Zwangspausen schon gar nicht. Lästige Werbung wird nach 5 Sekunden weggedrückt oder gleich geblockt. Ich bin top informiert. Ich weiß genau was ich will und ich weiß wo ich es finde.

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Kaufrausch – immer und überall

Das Einkaufen hat sich verändert. Mode gibt’s nicht mehr in zwei Kollektionen sondern in sechs über’s Jahr verteilt. Sommer- und Winterschlussverkauf wurden durch SALE ersetzt. SALE lockt eigentlich immer und Shopping-Apps locken mich in die Geschäfte – dafür bekomme ich Punkte. Nein, Points. Warum fragen die an der Kasse eigentlich noch nach meiner Postleitzahl? (Ich sage immer 27498 – Kennt sonst noch jemand die Aktion „Baumärkte für Helgoland“?) Die brauchen mir nichts zu schicken. An meinem Briefkasten klebt eh „Keine Werbung bitte“.

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Meine Mailadresse ist viel wichtiger. Ein Klick – gekauft. Am nächsten Tag geliefert. Fünf Mails unterrichten mich danach, dass die Bestellung eingegangen ist, mein Paket versandt, im Frachtzentrum verladen und voraussichtlich zwischen 11:15 Uhr und 12:45 Uhr zugestellt wird. Na prima! Die Rechnung kommt per pdf. Fünf mal blicke ich dafür aufs Handy – alle Mails wandern ungelesen in den Papierkorb.

Die KingKong-Spanne

Die neuen Medien verändern unser Handeln und Denken auch im Alltag. Alles wird schneller. Einen längeren Text vollständig zu lesen ist anstrengender als früher (Merken Sie vielleicht ja gerade selbst? 😉 ). Die Aufmerksamkeitsspanne hat sich verkürzt. Eine Zusammenfassung muss reichen. Keine Zeit für Details. Die Medien passen sich an. Online-Nachrichtenportale liefern eine Zusammenfassung am Ende jedes Artikels. Im Fernsehen habe ich vor kurzem zufällig eine Seite mit den „Tagesnachrichten in einfacher Sprache“ gefunden, gesucht hatte ich nach den Lottozahlen.

In einer Filmzeitschrift gab es eine Analyse über die durchschnittliche Länge von Filmszenen. Der erste KingKong aus den1930er Jahren (Der in schwarz-weiß mit den lustigen „Stopmotion-Dinosauriern“) kam mit durchschnittlich 7 Sekunden aus. Jessica Lange kreischte 1976 mit nur noch 5 Sekunden und Peter Jackson (Der mit dem Herrn der Ringe) ließ uns 2004 gerade noch 2,5 Sekunden Zeit.

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Kniggefrage: Liegt das Handy bei Tisch eigentlich rechts oder links?

Auch beim Gespräch, in der Mittagspause oder Zuhause beim Abendbrot, das Handy ist dabei, liegt auf dem Tisch. Der Blick geht nach unten: Gibt es was Neues? Das Tastengeräusch begleitet die Unterhaltung, pock, pock, pock pockpockpock….pock. Das ist Multitasking. Mehrere Dinge auf einmal erledigen spart viel Zeit.

Sind wir nicht alle ein bisschen Smombie?

Das Jugendwort des Jahres 2015. Gemeint sind Menschen, die durch den ständigen Blick auf ihr Smartphone so stark abgelenkt sind, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen.

Bei mir war es ein Feldweg, ein klein wenig zu uneben, ich war flott unterwegs und gleichzeitig am Lesen meiner Mails, ein Stolperer und eine Entscheidung im Bruchteil einer Sekunde… ich hab die Rolle beidhändig gemacht und bin heil geblieben, mein Handy leider nicht – es flog weiter als ich dachte…

Fazit: Neues Handy in der Hand

Das Ende der Geschichte: Mein neues Handy ist nun da. Das alte hat dann doch nur noch kurz durchgehalten. Und ohne – denken Sie selbst mal darüber nach – geht es mittlerweile wohl  nicht mehr. Diesmal habe ich gleich eine Versicherung für mobile Geräte abgeschlossen. Einfach online – ging ganz schnell! Dass beim nächsten Sturz immerhin mein Geldbeutel nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Finde ich klasse, dann kann ich weiter Smombie sein.

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