Ein Leben ohne Smartphone – ginge das noch?

Ich bin heute Vormittag über das Zitat einer Kollegin gestoßen, was mich dazu brachte, diesen Beitrag mit ein paar Gedanken zu verfassen. Sie hatte nämlich – oh Gott! – ihr Handy am Vorabend am Schreibtisch liegen gelassen. Sprich: Sie war sage und schreibe 14 Stunden Smartphone-los!

Das ist in der heutigen Zeit ungefähr gleichzusetzen mit „Ich hatte 14 Stunden lang keinen Kopf“ oder ähnlichem. Die Aussagen der Kollegin passten dazu. Sie äußerte sich, dass es am Vorabend dann zu Hause sehr ruhig war und sie sich mal wieder sich selbst widmen konnte – positiv. Auf der anderen Seite war sie aber ziemlich aufgeschmissen, da sämtliche Materialien sich auf diesem kleinen Gerät befinden. „Du bist kopflos. Das Handy denkt doch heute für dich“, sagt sie morgens während ihrer Erzählung.

Da stellen sich mir bereits einige Fragen:

Denken wir zu wenig selbst?

Das Handy denkt für uns. Wir googeln nach Antworten, wir haben alle Informationen darauf gespeichert, es ist unser Kalender, unsere Erinnerungsfunktion, unser Wecker – und unser Portal ins digitale Sozialleben. Auf der einen Seite habe ich etwas Positives zu verzeichnen: Ich stelle immer mehr fest, dass Leute während Diskussionen oder bei aufkommenden Fragen diese mal eben am Smartphone googeln, um Antworten zu erhalten. Ohne Smartphone wäre man unwissend geblieben oder hätte eine falsche Meinung behalten – so lernen die Leute tatsächlich etwas. Auf der anderen Seite aber sieht man einen klaren Trend: Dadurch, dass man sich Dinge nicht mehr merken muss, weil man sie eben googeln kann, werden diese nicht mehr auf der internen Festplatte im Kopf gespeichert. Schade. Das Handy denkt tatsächlich für uns. Vielleicht sollten wir wieder mehr tun, um unseren Denkapparat nicht einrosten zu lassen.

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Wissen wir uns nicht mehr zu beschäftigen?

Die Aussage „Es war ziemlich ruhig gestern Abend ohne Handy“ hat mich zum Grübeln gebracht. Muss das Handy wirklich irgendwo weit weg sein, damit wir uns anderen Dingen widmen können? Ich glaube nein. Jeder ist hier irgendwie selbst verantwortlich, wie ich finde. Dazu gehört auch eine gewisse Selbstdisziplin, was die Handy-Nutzung angeht. Selbst wenn es ständig vibriert und Nachrichten oder sonstige Infos eingehen, kann man diese auch mal etwas warten lassen und sich ein bisschen Auszeit gönnen. Ich habe bereits selbst die Erfahrung gemacht, wie ruhig ein einwöchiger Urlaub ohne Internet sein kann. Dann kommt man so richtig runter. Testen Sie es selbst mal, es ist nur zu empfehlen.

Leben wir noch richtig?

Komische Frage, ich weiß. Was ich damit meine: Leben wir noch oder dokumentieren wir nur noch? Der Hintergrund: Schauen Sie mal beim nächsten Konzert, wie viele Hände in der Höhe sind mit einem Smartphone in der Hand. Fotografieren, filmen, so dass man später allen zeigen kann, wie toll der Abend war. Ich selbst bin da genauso. Aber sollten wir nicht mal wieder einfach eine Stunde in der Menge stehen und die Musik genießen? Ich versuche da, den Spagat zu schaffen und beides mitzunehmen – Genuss und Erinnerungen schaffen.

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Was tun bei einem tatsächlichen Verlust?

So ganz ruhig war der Abend ohne Smartphone für meine Kollegin dann doch nicht. Denn im Hinterkopf entbrannte immer die Frage: Wo ist das Gerät? Damit einher gingen viel wichtigere Fragen, die einem auch mal eine schlaflose Nacht bereiten können: Handy sperren? Meine Daten? Meine Fotos? Meine Kontakte? Alles!

Schaue ich mir da mal mein Smartphone an, weiß ich, dass so gut wie jeder Lebensbereich mittlerweile irgendwie ins Smartphone integriert ist. Für alles und jeden gibt es eine App. Intime Daten sind darauf gespeichert. Erfahrungen in Form von Fotos oder Videos. Ist das Smarpthone weg – und kein Backup gemacht – geht es also um weitaus wichtigere und wertvollere Dinge, als um die Hardware! Aus diesem Grund: Regelmäßig Backups machen, zudem gibt es bei jedem Anbieter die Möglichkeit, das Smartphone aus der Ferne zu sperren (bitte prüfen Sie, ob Sie dazu etwas im Voraus machen müssen).

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Zurück zur Ausgangsfrage: Ist ein Leben ohne Smartphone noch möglich?

Schwer zu sagen. Ich glaube, es ist wie bei vielem: Wenn man es nicht kennt, braucht man es auch nicht unbedingt. Ich persönlich bin mittlerweile so weit, dass alles über das Smartphone läuft – und somit wäre es schwer, komplett darauf zu verzichten. Im Urlaub mal wieder eine Woche darauf verzichten wäre aber eine schöne Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Oder Sie machen es wie meine Kollegin und vergessen Ihren Kopf – äh, das Smartphone! – einfach mal am Arbeitsplatz. Gerne auch vor dem Wochenende. Und dann schauen Sie mal, wie es weitergeht.

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